EMMA: E-Mail-Marketing für Fortgeschrittene
Von Martin Aschoff
E-Mail-Marketing
wird immer populärer, weil es ein sehr preiswertes Marketing-Instrument
ist und aufgrund der umgehenden Zustellung der E-Mails schnell zu
Ergebnissen führt. Doch E-Mail-Marketing bietet einen weiteren großen
Vorteil, der bislang allerdings noch selten ausgeschöpft wird: E-Mail-Marketing
basiert auf einem elektronischen, Computer-basierten Medium und
ist dadurch hochgradig automatisierbar. Die Zukunft heißt E-Mail-Marketing-Automation
(EMMA) und liegt im vollautomatisierten Ablauf Dialog-orientierter
E-Mail-Kampagnen auf Basis datenbankgestützter Empfängerprofile.
Mit EMMA ist es möglich, Interessenten und Kunden abhängig von
ihrem Profil (das auf Basis freiwilliger Angaben und/oder des Klickverhaltens
gewonnen wurde) automatisiert mit einzelnen, durch personalisierte
Inhalte individuell zugeschnittenen E-Mails anzusprechen. Ist eine
EMMA-Kampagne einmal eingerichtet, sind keine weiteren manuellen
Eingriffe mehr erforderlich. Daher ist mit EMMA der alte Traum vom
1:1-Marketing erstmals praktisch umsetzbar!
EMMA arbeitet beispielsweise mit E-Mailings, die nach definierten
Regeln oder abhängig von Ereignissen generiert und versendet werden.
Für die initiale Gewinnung der E-Mail-Adressen lassen sich Popups
und Layer nutzen, die abhängig von Ereignissen (z.B. der Besucher
verlässt die Website oder bricht den Warenkorb ab), angezeigt werden,
um E-Mail-Adressen mit Einverständnis (Permission) zu gewinnen.
Durch einen Feedback-Mechanismus auf der Website lassen sich besuchte
Seiten, Bewegungsprofile und Warenkorbinhalte als Basis für EMMA-Kampagnen
nutzen. All dies ist natürlich in Echtzeit möglich, daher spricht
man in diesem Fall auch von Real-Time-Marketing.
Doch mit EMMA lassen sich nicht nur ausgehende E-Mailings optimieren.
Auch die eingehenden Rückmeldungen der E-Mail-Empfänger können mit
EMMA-Aktionen automatisiert verarbeitet werden, so dass sich die
Kosten für den Kundenkontakt dramatisch reduzieren lassen, weil
beispielsweise weniger Agenten im Callcenter bzw. an der E-Mail-Hotline
benötigt werden.
Einige typische Komponenten für EMMA-Aktionen sind:
- Offene Profilerhebung: Popup-Fenster, -Layer und E-Mail-Fragebogen,
die den Nutzer automatisiert nach Profilinformationen fragen (z.B.
E-Mail-Adresse für Sonderangebote oder Postleitzahl für regionale
Mailings)
- Verdeckte Profilerhebung: Automatisierter Aufbau von Nutzerprofilen
durch Link-Tracking und Messen von Webseiten-Aufrufen (z.B. um
Interessen des Empfängers herauszufinden)
- Datumsgesteuerte E-Mailings: E-Mails, die erst dann versendet
werden, wenn eine definierte Datumsregel im Empfängerprofil erfüllt
ist (z.B. Geburtstagsglückwünsche, Reaktivierungsangebote an Altkunden,
Folgeangebote zur Vertragsverlängerung, etc.)
- Aktionsgesteuerte E-Mailings: E-Mails, die erst dann versendet
werden, wenn ein definiertes Ereignis eingetreten ist (z.B. der
Empfänger hat auf einen Bestell-Link geklickt, an eine spezielle
E-Mail-Adresse geantwortet oder eine Webseite mit einem bestimmten
Produktangebot besucht)
- Autoresponder-Kaskaden: mehrstufige Autoresponderketten, um
E-Mail-Rückfragen zu kategorisieren und automatisiert zu beantworten
(z.B. Support-Informationen per elektronischen Selfservice)
- Shop-Mail-Marketing: Follow-up- und Reaktivierungskampagnen
für Warenkorbabbrecher auf Basis der Warenkorbinhalte
Ein Beispiel für EMMA
Im Folgenden zur Illustration ein typisches Beispiel für eine mehrstufige
EMMA-Kampagne, die aus verschiedenen EMMA-Aktionen aufgebaut ist,
die automatisch ineinander greifen:
Ein Besucher verlässt die Website des Anbieters. Darauf öffnet sich
ein kleines Browser-Fenster (als Popup oder Layer), in dem ihm angeboten
wird, seine E-Mail-Adresse zu hinterlassen, um Sonderangebote und
Schnäppchen zu bestimmten Produktgruppen zu erhalten (eventuell
zusätzlich verbunden mit einer Incentivierung, um die Konvertierungsrate
zu erhöhen). Der Besucher kann die Produktgruppen, die ihn interessieren,
über Checkboxen anklicken (offene Profilerhebung). Mit diesem ersten
Schritt gelingt es, die E-Mail-Adresse eines Website-Besuchers zu
gewinnen und gleichzeitig seine Interessenlage abzufragen.
Als zweiten Schritt erhält der Interessent eine Bestätigungsmail,
dass seine Anmeldung erfolgreich war und er zukünftig (ausschließlich)
zu den angegebenen Produktgruppen Informationen erhält. Im dritten
Schritt erhält der Interessent einige Tage später als Regel-gesteuerte
E-Mail ein besonderes Angebot, abhängig von der Produktgruppe, die
ihn interessiert. Die Regeln für die Zeitverzögerung und das konkrete
Angebot in Abhängigkeit von der Interessenlage sind natürlich schon
im Voraus definiert worden.
Reagiert der Interessent auf das E-Mail-Angebot per Klick auf den
Link, ist damit sein Interesse bestätigt und kann im Profil vermerkt
werden (verdeckte Profilerhebung). Sollte er den Kauf wider Erwarten
nicht abschließen, lassen sich Follow-up-Mails generieren, die auf
den Inhalt des abgebrochenen Warenkorbs Bezug nehmen (Shop-Mail-Marketing)
Reagiert der Interessent auf das erste Angebot überhaupt nicht,
so erfolgt als vierter Schritt entsprechend eine Ereignis-gesteuerte
E-Mail (keine Reaktion ist ein Nicht-Ereignis) mit einem alternativen
Angebot, das ihn vielleicht mehr anspricht. Wenn auch das zweite
Angebot nicht zum Erfolg führt, kann in einem fünften Schritt ein
kleiner E-Mail-Fragebogen versendet werden (offene Profilerhebung),
mit dessen Antworten das Profil des Interessenten angepasst wird,
damit die Angebote in zukünftigen E-Mails besser mit seinen Interessen
korrespondieren. An dieser Stelle schließt sich der Kreis zum so
genannten Closed-Loop-Marketing.
Mehr Umsatz mit EMMA
Je nachdem, welchen Anbieter man fragt (und wie ehrlich dessen Antwort
ist) liegt bei Online-Shops die Quote der Warenkörbe, die vor dem
Abschluss des Kaufprozesses abgebrochen werden, zwischen 40 und
80 %.
Doch ein Warenkorb wird nicht nur deshalb abgebrochen, weil es sich
der potenzielle Käufer anders überlegt hat und an einem Kauf nicht
länger interessiert ist. Oft sind externe Störungen der Grund für
den Abbruch eines Warenkorbes, vor allem
- fehlende Unterlagen (Passwörter, Kundennummer, Kontonummer,
Bankleitzahl, etc.)
- technische Probleme mit der Internet-Verbindung oder dem Shop
(Performance, Aussetzer, etc.)
- externe Störungen (Postbote, Baby, Chef, etc.)
Aus diesem Grund macht es Sinn, einen abgebrochenen Warenkorb nicht
gleich als verloren anzusehen, sondern ihn als Chance zu begreifen
und mit EMMA zu versuchen, den Kaufvorgang doch noch zum Abschluss
zu bringen.
Dazu bietet sich natürlich der Dialog mit dem potenziellen Käufer
per E-Mail an. Der Dialog wird initiiert, indem der Warenkorbabbrecher
beim Abbruch seines Bestellvorgangs in einem Popup-Fenster oder
-Layer kurz und knapp gefragt wird, ob der Warenkorb für eine eventuelle
spätere Fortsetzung des Kaufs zwischengespeichert bzw. die ausgewählten
Produkte auf einer Merkliste eingetragen werden sollen.
Damit der Nutzer später wieder auf den Warenkorb zugreifen kann,
muss er zusätzlich nach seiner E-Mail-Adresse gefragt werden, um
mit ihm in Kontakt treten zu können. Eine weitere Begründung ist,
dass ihm auf diesem Weg zu den Produkten seines Warenkorbs Preisänderungen,
preisgünstige Produkt-Bundles oder spezielle Sonderangebote mitgeteilt
werden können. Hier ist jede Argumentation hilfreich, die den Nutzer
überzeugt, seine E-Mail-Adresse einzutippen und sein Einverständnis
mit der Zusendung von E-Mails abzugeben.
Oberstes Ziel muss es also sein, die E-Mail-Adresse des Warenkorbabbrechers
zu erhalten. Ist dies einmal geschehen, so kann ein mehrstufiger,
automatisierter E-Mail-Marketing-Dialog gestartet werden, der zum
Ziel hat, den Warenkorbabbrecher mit guten Argumenten und guten
Angeboten doch noch zum Kaufabschluss zu bewegen.
Ein weiteres Beispiel für E-Mail-Marketing-Automation zur Umsatzsteigerung
sind Reaktivierungs-Mails an Altkunden, die länger nichts mehr bestellt
oder eine Leistung nicht genutzt haben. Umgesetzt werden diese E-Mails
in Form von Regel-gesteuerten E-Mailings, die automatisch verschickt
werden, wenn ein Kunde seine übliche Kauffrequenz (beispielsweise
monatlich oder quartalsweise) unterbrochen oder schon lange Zeit
nichts mehr bestellt hat. In diesem Fall erfolgt ein Reaktivierungsversuch
per E-Mail, die den Kunden an den Anbieter erinnert und ihn mit
den geeigneten Argumenten zum Besuch der Website motiviert.
Martin Aschoff ist Vorstand der Agnitas AG und Buchautor von
"Professionelles Direkt- und Dialogmarketing per E-Mail". Der Besuch
auf http://www.agnitas.de lohnt
sich allein schon wegen des Archivs mit profunden Artikeln zum Thema
Newslettermarketing. Vorallem ist Agnitas einer der deutschsprachigen
High-End-Anbieter im E-Mailmarketing.
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