Das Konzept der Landing Pages
Von Martin Aschoff
Ein klassisches Post-Mailing ist in der Regel in sich vollständig,
denn es enthält alle Bestandteile der jeweiligen Kampagne. Diese
sind gewöhnlich das personalisierte Anschreiben an den Empfänger
des Mailings ein Faltblatt, Prospekt oder Katalog, in dem das Angebot
des Mailings vorgestellt wird sowie ein Response-Element wie zum
Beispiel eine Antwort-Postkarte oder ein Fax-Bestellformular, damit
der Empfänger einfach und schnell reagieren kann.
Im Gegensatz dazu besteht eine E-Mail-Marketing-Kampagne inhaltlich
in der Regel nicht nur aus dem E-Mailing bzw. einem E-Mail-Newsletter,
sondern auch aus den Webseiten mit weiterführenden Inhalten, auf
die die Links in dem E-Mailing oder Newsletter verweisen.
Der Grund für dieses "Zerlegen" der Kampagne in zwei Komponenten
ist folgender: Würde das E-Mailing bereits alle Inhalte enthalten,
wie es bei einem Post-Mailing der Fall ist, würde es dadurch extrem
umfangreich und die jeweilige E-Mail-Datei entsprechend groß.
Umfangreiche E-Mails werden von den Empfängern nur ungern ganz zu
Ende gelesen, weil das Lesen am Bildschirm die Augen viel stärker
ermüdet als das Lesen auf Papier. Und große E-Mail-Dateien können
diejenigen Empfänger verärgern, die ihre E-Mails per Modem- oder
ISDN-Verbindung abrufen und nicht über einen schnellen Internet-Zugang
verfügen, weil der Internet-Zugang während der Mail-Übertragung
minutenlang blockiert ist und die Empfänger die Kosten für die Datenübertragung
zahlen müssen.
Aus diesem Grund teilt man den Inhalt einer E-Mail-Marketing-Kampagne
auf, indem nur die wichtigsten Informationen oder Teaser in der
E-Mail stehen und auf alles Weitere per Link verwiesen wird. Die
Links in den E-Mails führen gewöhnlich auf die Website des Anbieters
und setzen die in dem E-Mailing angeschnittenen Themen fort, vertiefen
die Informationen und/oder erlauben die Bestellung der im E-Mailing
vorgestellten Angebote.
Der Einfachheit halber können die in den E-Mailings verwendeten
Links auf bereits existierende Seiten der Website des Anbieters
verweisen, die zum Inhalt des E-Mailings passen. Erfahrungen in
den USA haben jedoch gezeigt, dass sich die Ergebnisse (und Umsätze)
aus E-Mail-Marketing-Kampagnen signifikant (um den Faktor 2 bis
4) verbessern lassen, wenn man für jeden Link eine spezielle Zielseite
entwickelt, statt eine bereits vorhandene Webseite zu verwenden.
Dieses Verfahren ist zwar nicht so bequem wie die Verwendung einer
bestehenden Webseite aus dem eigenen Internet-Angebot, doch der
Einsatz einer eigens entwickelten Zielseite hat folgende Vorteile:
Die Seite lässt sich inhaltlich und gestalterisch exakt auf die
Situation des klickenden Lesers zuschneiden, und sie kann direkt
auf dessen Wünsche eingehen und ihn "abholen", damit er sich möglichst
schnell zu der gewünschten Handlung (beispielsweise eine Bestellung)
entschließt.
Diese speziellen Zielseiten bezeichnet man auch als "Landing Pages",
also als "Landeseiten" für den E-Mail-Leser. Aufbau einer Landing
Page
Wie eine Landing Page aufgebaut sein sollte, hängt natürlich vom
inhaltlichen und gestalterischen Kontext ab, in dem sich der Link
befindet, der auf die Landing Page verweist.
Wichtig ist, sich jeweils in die Situation des Lesers hineinzuversetzen,
um nachvollziehen zu können, was der Leser durch den Klick auf den
Link erreichen will: Wird das Thema in der E-Mail nur angeschnitten
(Teaser-Mail) und möchte der Leser wissen, worum es genau geht?
Enthält die E-Mail erste Informationen, aber sind zum Verkaufsabschluss
weiterführende Informationen erforderlich? Oder konnte der Leser
auf Grund der E-Mail bereits eine Kaufentscheidung treffen und muss
nur noch eine Bestellseite präsentiert bekommen?
Unabhängig von diesen Überlegungen gibt es einige allgemein gültige
Empfehlungen:
Landing Pages dürfen nicht mit Informationen und Texten überfrachtet
sein, sondern nur die wirklich relevanten Inhalte enthalten. Grundlegende
Erläuterungen, die nur für Erstkäufer wichtig sind, sollten über
einen Hilfe-Button auf eine eigene Webseite ausgelagert werden,
damit Wiederholungskäufer und Stammkunden von diesen Informationen
nicht abgelenkt werden.
Um die Landing Pages eindringlicher zu formulieren, sollte ein gewisser
Entscheidungsdruck aufgebaut werden, indem das Angebot beispielsweise
zeitlich limitiert oder mit Formulierungen wie "nur solange der
Vorrat reicht" eine Knappheit signalisiert wird.
Wichtig ist auch, dass Impuls-Shopper, die sich schon zum Kauf entschieden
haben, direkt abgeholt werden. Diese sollten sich nicht erst mühselig
durch mehrere Ebenen der Website klicken müssen, um den Bestellvorgang
abzuschließen - denn dann sind diese potenziellen Käufer in der
Regel verloren und ein verwaister Warenkorb bleibt zurück.
Der Internet-Versender Amazon erzielt mit seinem patentierten "One-Click-Ordering"
hervorragende Ergebnisse, weil die Kunden hier den kompletten Bestellvorgang
ohne zwischengeschalteten Warenkorb mit einem einzigen Klick durchführen
können.
Aus diesem Grund sollten selbst Landing Pages, bei denen der Anbieter
davon ausgeht, dass der Leser noch zusätzliche Informationen abrufen
möchte, ein Bestellformular anbieten. Dieses Formular sollte schon
so weit wie möglich ausgefüllt sein, damit der Impulskäufer oder
der vorinformierte Kunde im Idealfall nur noch die Bestellmenge
eintragen und auf den Bestell-Button klicken muss.
Das Grundprinzip ist simpel: Es muss dem Kunden so einfach wie möglich
gemacht werden, beim Anbieter zu kaufen. Diese Empfehlung mag vielleicht
wie eine Binsenweisheit klingen, doch die Praxis zeigt leider immer
wieder, dass eine Technikabteilung oder -agentur, die nicht durch
Marketingdenken sondern von der eigenen Bequemlichkeit gesteuert
wird, derart komplexe Internet-Bestellvorgänge entwickeln kann,
dass selbst erfahrene Online-Shopper entnervt aufgeben.
Bei der optischen Gestaltung der Landing Pages muss darauf geachtet
werden, dass diese bezüglich Schlüsselfarben und -formen, Schriftart
und -größe sowie Logos und Tonalität zu dem jeweiligen E-Mailing,
aus dem auf die Landing Pages verwiesen wird, passen, sodass alles
wie aus einem Guss wirkt und der Leser nicht durch ein abweichendes
Design irritiert wird.
Top-Tipp
Landing Pages sollten nicht mit der Standardnavigation,
wie sie auf den anderen Webseiten verwendet wird, versehen sein,
denn die in der Regel zahlreichen Optionen der Navigation lenken
den Leser nur ab und verleiten ihn eventuell dazu, den Bestellprozess
abzubrechen. Dies kann aber nicht im Sinne des Anbieters sein.
Erfolgskontrollen
Jeder Link, der auf eine Landing Page führt, sollte messbar sein,
damit sich feststellen lässt, wie viele E-Mail-Empfänger wie oft
auf einen bestimmten Link geklickt haben. Die Anzahl der Link-Klicks
kann über eine Protokolldatei ("Log File") auf dem Webserver des
Anbieters gezählt werden, indem jeder Landing Page ein ganz bestimmter
Dateiname zugewiesen und hinterher in der Protokolldatei nachgeprüft
wird, wie oft diese Datei aufgerufen wurde.
Noch besser ist es, wenn das E-Mail-Marketing-System, mit dem die
E-Mailings oder E-Mail-Newsletter versendet werden, in der Lage
ist, die Links in den E-Mails personenbezogen zu codieren, weil
sich auf diese Weise nicht nur feststellen lässt, wie oft auf einen
bestimmten Link geklickt wurde, sondern auch, wie viele verschiedene
E-Mail-Empfänger geklickt haben, und gegebenenfalls (unter Berücksichtigung
des TTDSG), welche Empfänger geklickt haben.
Die Analyse der Klickdaten kann wertvolle Hinweise liefern, mit
deren Hilfe sich die Landing Pages verbessern lassen. Wenn man beispielsweise
die Klickrate pro Link mit den tatsächlichen Bestellungen oder Umsätzen,
die über die jeweilige Landing Page erzielt werden, vergleicht,
lässt sich die Konvertierungsquote für die Link-Klicks (das heißt,
wie viel Prozent der Link-Klicks in Bestellungen konvertiert werden
können) oder der Wert für "Umsatz pro Klick" berechnen.
Weichen die Konvertierungsquoten bei verschiedenen Links stark voneinander
ab, so kann eine hohe Quote ein Indiz dafür sein, dass die Landing
Page gut funktioniert, und eine niedrige Quote, dass sie verbessert
werden muss. Allerdings können die unterschiedlichen Konvertierungsquoten
auch auf die Attraktivität der verschiedenen Angebote zurückzuführen
sein. Von daher muss bei der Bewertung der Quoten erst geprüft werden,
ob die jeweiligen Angebote in etwa miteinander vergleichbar sind.
Der "Umsatz-pro-Klick"-Wert zeigt an, wie wertvoll ein durchschnittlicher
Link-Klick für den Anbieter ist und inwieweit sich dieser Wert durch
den Einsatz oder die Optimierung der Landing Pages noch erhöhen
lässt. Auf diese Weise lässt sich auch leicht ausrechnen, welcher
Aufwand bei der Gestaltung der Landing Pages noch lohnt und ab wann
der Grenznutzen erreicht ist.
Martin Aschoff ist Vorstand der Agnitas AG und Buchautor von
"Professionelles Direkt- und Dialogmarketing per E-Mail". Der Besuch
auf http://www.agnitas.de lohnt
sich allein schon wegen des Archivs mit profunden Artikeln zum Thema
Newslettermarketing. Vorallem ist Agnitas einer der deutschsprachigen
High-End-Anbieter im E-Mailmarketing.
der-newsletter-experte.de
Karsten Büttner
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